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Erste Außenlandung dieses Jahr und wie es dazu kam…

Die Wettervorhersage für die Woche war mittelmäßig bis gut, der beste Tag schien allerdings der Montag zu sein. Also am Sonntag noch einen F-Schlepp organisiert und am Abend ein paar Trainings-Tasks passend zur Wettervorhersage und der Vorgabe, im Gleitwinkelbereich von LOLO zu bleiben, ausgearbeitet. Angesagt waren starke Steigwerte im Mühlviertel mit einer Basis zwischen 1500m und 1800m über Grund. Cumuli waren allerdings nur am südlichen Rand des Mühlviertels vorhergesagt, nördlich davon war mit Blauthermik zu rechnen. Der Wind sollte aus Osten her kommen.

Montag Morgen habe ich mich dann für einen Task entschieden:

S: GIS → 1: Engelhartszell → 2: St.Oswald → F: GIS

Vor dem Flug berechnete Gleitwinkelbereiche und Task

Meine Trainingsziele für diesen Flug waren:

  1. Wieder auf den Flieger eingewöhnen
  2. Thermik sauber zentrieren
  3. Im Vorflug bewusst Steigen mitnehmen und starkes Sinken vermeiden

12:39 LT / 1497 MSL

Um 12:25 LT ging es per F-Schlepp in die Luft. Das Wolkenbild bestätigte meine Wettervorhersage, genauso wie der erste Bart nach dem Ausklinken. Mit ca. 2,8 m/s integriertem Steigen ging es auf 1600m über Grund. Jetzt weiter zum Sender GIS um die Aufgabe zu starten. Soweit so gut. 1600m GND Höhe, starke Steigwerte, was soll schon schiefgehen? Das erste Problem ließ nicht lange auf sich warten. Meine Aufgabe führte mich direkt ins Blaue. Mit der aktuellen Höhe und den bisherigen Steigwerten könnte man einen Versuch wagen. Also geradeaus weiter Richtung Westen geflogen und ein bisschen im Blauen versucht Steigen zu finden. Nach ein paar Zupfern hier und da und viel Sinken habe ich das Ganze dann doch lieber abgebrochen und bin die nächsten Wolken angeflogen. Die standen westlich des Flugplatzes Eferding (LOLE). Unter der Wolke angekommen ging die Suche nach dem Aufwind los. Hier und da ging es rauf, das Steigen war aber sofort nach dem Eindrehen wieder weg. Ich bin einfach nicht mehr raufgekommen. Mein integriertes Steigen lag bei ca. 0 m/s und jeder Fehler hat mich weiter nach unten gebracht. Die Wolken waren einfach nicht mehr aktiv.

13:17 LT / 1041 MSL

Nach ein paar weiteren hoffnungslosen Versuchen Thermik zu zentrieren habe ich dann, auch hinsichtlich meiner schwindenden Höhe, die Entscheidung getroffen zum Flugplatz Eferding umzudrehen. Dort würde ich hoch genug ankommen um in der Platzrunde nach der rettenden Thermik zu suchen.

13:21 LT / 731 MSL

Mit 470m GND bin ich über LOLE angekommen und habe sofort am Osthang die Aufwindsuche begonnen. Die Situation hat mich sehr an die Absaufer der letzten Saison erinnert. Man ist tief, es ist heiß und man kann einfach nicht glauben, dass man schon jetzt in 400m über seinem potentiellen Landefeld kreist. Aber alles Schlechte hat auch etwas Gutes. In keiner anderen Situation lerne ich das Flugzeug so gut kennen wie bei der Vermeidung einer Außenlandung. Man ist unglaublich fokussiert und versucht alles genauestens wahrzunehmen, um so sauber wie nur möglich fliegen zu können. Die lange Rauferei wurde dann auch belohnt und ich konnte in 1070m GND nach diesem “Absauftraining” über LOLE wieder ein bisschen Aufatmen.

13:56 LT / 1333 MSL

Mit neu gewonnener Höhe waren wieder ein paar mehr Optionen offen.

Option 1: Direkter Anflug auf Linz-Ost mit bestem Gleiten. Laut meinem am Abend zuvor berechneten und in meine Karte eingetragenen Gleitwinkelbereich sollte sich das ausgehen. Mein Flugrechner zeigte mir auch +126m Ankunftshöhe auf LOLO an, aber die Sache war mir nicht ganz geheuer. Richtung Linz versperrte mir der Pöstlingberg und eine diesige Luftschicht die Sicht.

Option 2: Abflug Richtung Eferdinger Becken. An dessen Nordseite, dort wo das Gelände ansteigt, standen große Cumuli. Ein starker Aufwind sollte reichen um die nötige Anflughöhe auf LOLO zu erreichen.

Ich habe mich für letztere Option entschieden.

14:06 LT / 671 MSL

Ankunft an der Stelle an der ich die rettende Thermik erwartete. Mit nur noch 220m über Grund. Was ist passiert? Die Auswertung meines IGC-Logfiles hat ergeben, dass ich zwischen dem Abflug über LOLE  und dem aktuellen Punkt eine durchschnittliche Gleitzahl von 26.2 hatte und ein durchschnittliches Sinken von -1.1 m/s. Ich bin im Saufen geflogen und hab meiner Höhe beim Verschwinden zugeschaut. An diesem Punkt hätte ich im Nachhinein gerne anders entschieden. Ich hatte das Ziel „Aufwind suchen und zurück nach LOLO fliegen“ im Kopf ohne einen wirklichen Plan B. Dieser hätte z.B. lauten können: Neuer Ausgangspunkt ist die Platzrunde von LOLE, dorthin zurück wenn ich zu tief komme.

14:08 LT / 577 MSL

Nach ein paar Suchkreisen war klar, dass eine Außenlandung nicht mehr zu vermeiden ist. Während dem Abgleiten zu meiner aktuellen Position habe ich schon mehrere potentielle Landefelder ausgesucht und diese im Gedächtnis behalten. Eine gefiel mir besonders gut. Ein Feld mit Spuren parallel zur Straße, das frisch bearbeitet aussah. Da sinkt dann schon mal die Wahrscheinlichkeit, dass im Feld irgendein Hindernis versteckt ist, sonst würde man das ja an den Spuren sehen. Außerdem kannte ich das Feld, weil ich des öfteren daran vorbeigefahren bin und aus Erzählungen wusste, dass hier schon einige vor mir gelandet sind. Zur Sicherheit bin ich trotzdem nochmal über das Feld geflogen und habe versucht irgendetwas ungewöhnliches zu entdecken. Alles sah gut aus, also nach Rechts abgedreht in den Gegenanflug. Eine Baumgruppe, die ich auch hätte überfliegen können habe ich zugunsten einer erhöhten Anfluggeschwindigkeit auf deren linken Seite passiert. Der Queranflug wurde durch eine größere Rechtskurve in den Endanflug ersetzt. Dieser ist angenehm lang ausgefallen und ich konnte in Ruhe auf meinen Landepunkt zielen, den ich auch gut erwischt habe. Um 14:15 LT stand der Flieger nach ca. 170m Ausrollstrecke.

 

Eine Außenlandung neben einer derartig vielbefahrenen Straße weckt natürlich großes Aufsehen. Neben einigen Fliegerkollegen, interessierten Passanten und dem Bauer, dem das Feld gehört, kam auch die Polizei vorbei, die wegen der Notlandung eines Flugzeugs gerufen wurde. Die Beamten waren sehr interessiert an der ganzen Sache, nahmen meine Personalien auf und fotografierten Flugzeug, Flugschein, Medical und auch das Cockpit. Alles kein Problem, denn meine Unterlagen und eine aktuelle Karte habe ich grundsätzlich immer im Flieger dabei.

Betrachtet im Nachhinein – Was ist schiefgelaufen?

Abflug gegen den Wind

Abflug gegen den Wind. Alle anderen sind an diesem Tag zuerst Richtung Nordosten und erst später in den Bereich Eferding/Donau geflogen. Auf meinem Weg zurück war ich somit nicht nur tief sondern hatte auch noch Gegenwind. Nicht sehr förderlich für die Gleitzahl.

Zu optimistischer Gleitwinkelbereich

Der Gleitwinkelbereich, den ich mir am Tag zuvor in meine Karte gezeichnet habe, war viel zu optimistisch gewählt. Ich habe zwar mit einer Sicherheitsgleitzahl von 36 anstatt mit bestem Gleiten 41 (Discus CS) gerechnet, allerdings habe ich komplett vergessen eine  Sicherheitshöhe in LOLO zu berücksichtigen. Nimmt man eine Sicherheitshöhe von 300m an ändert sich der Gleitwinkelbereich erheblich.

Neuer Gleitwinkelbereich mit Berücksichtigung einer Sicherheitshöhe von 300m über Linz-Ost (LOLO)

In der Abbildung zeigen die grünen Kreise die berechneten Gleitwinkel mit Sicherheitshöhe und die roten Kreise die ohne Sicherheitshöhe. Mit 1000m über LOLE war ich somit sogar knapp außerhalb des Gleitwinkelbereichs. Mit diesen Informationen in meiner Karte hätte ich vielleicht anders entschieden. Berücksichtigt man jetzt noch das ansteigende Gelände und die Stadt auf der direkten Strecke zwischen LOLE und LOLO möchte man fast nochmal 100m Sicherheitshöhe dazurechnen.

Höhenprofil der direkten Verbindung zwischen LOLE und LOLO

Mit einer Ausgangshöhe von 1000m über LOLE hat man rein theoretisch über der höchsten Stelle auf der Strecke LOLE – LOLO eine Geländefreiheit von 340m. Mit 380m über Grund fängt unter einem die Stadt an und mit 270m GND würde man über LOLO ankommen. Dass darauf die Bedingungen in der Luft einen erheblichen Einfluss nehmen zeigt unter anderem auch dieser Flugbericht.

Ambitionierter Start in die Saison

Vielleicht nicht gleich für den ersten Streckenflug der Saison einen Task planen. Meine Trainingsziele hätte ich auch locker im Platzbereich verfolgen können. Vor allem war auch die Wettersituation mit Blauthermik nicht ganz einfach.

Unflexibilität bezüglich Entscheidungen

Ich hatte einen Tunnelblick bei meinen Entscheidungen. Ich hätte in LOLE mit einiger Geduld noch ein paar hundert Meter steigen können, was nochmal mehr Entscheidungszeit gegeben hätte. Noch besser wäre es gewesen LOLE als neuen Ausgangspunkt zu wählen, zu dem ich zurück fliege wenn ich die erhoffte Thermik nicht erwische. In der Platzrunde hätte ich dann die Chance gehabt nochmal aufzukurbeln oder in LOLE zu landen. Das wäre um einiges weniger Aufwand gewesen als eine Aussenlandung im Feld.

Letztendlich habe ich mit diesem Flug wieder einiges gelernt. Mit jeder weiteren Außenlandung wird man klüger. Ich habe mich während der Thermiksuche sehr intensiv auf den Flieger konzentriert. In solchen Momenten lernt man das Flugzeug sehr gut kennen. Hier ist mir aufgefallen, dass es noch einige Dinge gibt, mit denen ich mich intensiver beschäftigen sollte. Ein guter Ansatz also für den nächsten Trainingsflug. Dann vielleicht eher im Platzbereich 😉

Danke Georg für’s holen und danke an Georg’s Chef, dass er sich ein paar Stunden frei nehmen durfte, um mir aus der Patsche zu helfen. Danke auch an den Verein für das Verständnis, dass auch mal was in die Hose gehen kann und das Vertrauen mir gegenüber. 

Koordinaten des Aussenlandefeldes: 48.345273, 14.157292

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4 thoughts on “Erste Außenlandung dieses Jahr und wie es dazu kam…”

  1. Toller Bericht! Wir haben vor X Jahren den Fred vom ASVÖ auch mal mit seiner K8 aus dem gleichen Feld geholt. Das Feld bietet sich einfach an wenn vom Westen her es nicht mehr über den Pöstlingberg schafft 😉

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