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Catching the Wave…

Horst (hinten) und Daniel auf etwas über 6500 m (FL220)

Segelfliegen Anfang November ist immer ein äußerst ambitioniertes Vorhaben. Von Linz aus müssen doch viele Puzzlestücke zusammenpassen. Wie gelang es uns dennoch am 08.11.2019 eine Höhe von über 6500m zu erreichen und dabei eine Strecke von 266km zurückzulegen?

1.            Das Wetter

Entscheidend für einen solchen Höhenflug ist klarerweise das Wetter. Für uns an der Alpennordseite sind Südföhnlagen nötig, um sogenannte Wellenaufwinde vorzufinden. Diese Art des Aufwindes entsteht immer dann, wenn starke Winde quer zu Gebirgsketten auftreten (siehe Abbildung). 

Fliegt man nun im aufsteigenden Ast vor bzw. über den Wolken, findet man starkes, laminares Steigen vor, wohingegen im absteigenden Ast mit starkem Sinken zu rechnen ist.

Was nun solch einen Wellenflug von Linz wettertechnisch zusätzlich noch erschwert ist der Nebel. Gerade im Donauraum und Alpenvorland können wir aufgrund des zähen Nebels trotz Südföhnlagen oft erst spät oder gar nicht starten.

2.            Das Flugzeug

Nicht nur das Wetter ist entscheidend, auch das Flugzeug muss für einen Höhenflug vorbereitet werden. So ist neben dem einwandfreien technischen Zustand des Flugzeuges auch die gesamte Sauerstoffanlage einzubauen und auf Funktion zu überprüfen. Nichts wäre gefährlicher, als wenn die Sauerstoffversorgung in 6500m plötzlich ausfällt. Selbst ein Notabstieg aus dieser bereits lebensfeindlichen Höhe ist innerhalb der Betriebsgrenzen des Flugzeuges nur langsam möglich – oft zu langsam, um rechtzeitig wieder in sauerstoffreichere Luft zu gelangen.

3.            Die Fluglotsen

Nachdem man sich in diesen Höhen den Luftraum bereits mit den Airlinern teilt, ist eine Zusammenarbeit mit den Fluglotsen unumgänglich. Jedes weitere Vorgehen muss von den Fluglotsen freigegeben werden.

4.            Die persönliche Ausrüstung

Um mehrere Stunden bei Außentemperaturen von um die -25°C quasi ohne Bewegung im Cockpit auszuhalten, sind neben einer vielschichtigen Winterkleidung auch Überschuhe ein Muss, um den Flug nicht aus körperlichen Gründen frühzeitig abbrechen zu müssen.

5.            Die Zeit

Da sich das oben bereits angesprochene Wetter nur selten an unsere Wochenenden hält, muss man zu guter Letzt auch Zeit für einen solchen Flug haben. Sowohl der Arbeitgeber als auch die Familie müssen uns Piloten also bei so einem Vorhaben unterstützen.

Der Flug

In der Woche vor dem 08.11.2019 begannen sich dann die 5 Puzzleteile Schritt für Schritt zusammenzusetzen und das wochenlange Warten schien sich endlich auszuzahlen. Laut Wettervorhersage sollte sich eine Südföhnlage mit bis zu 50kt Wind einstellen:

Einziger Unsicherheitsfaktor blieb, wie so oft, der Nebel. Diverse Wetterdienste prognostizierten starken, sich nur zäh auflösenden Nebel im Alpenvorland und Donauraum, wohingegen sich die Flugwetterdienste einig waren, dass nur dünner, sich rasch auflösender Nebel zu erwarten sei.

Die Entscheidung alles auf eine Karte zu setzen und den Flug zu wagen fiel erst bei einem letzten Telefonat von Horst und mir am 07.08.2019 um 21 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt war es noch nebelfrei. Fünfzehn Minuten später traute ich meinen Ohren nicht, als meine Freundin nach Hause kam und sich über den starken Nebel beschwerte. Der Blick aus dem Fenster verhieß nichts Gutes. Der altbekannte Nebel war wieder eingefallen. Sollten die Wetterdienste im Gegensatz zum Flugwetter Recht behalten?

Um 06:30 Uhr morgens dann der erlösende Blick nach draußen – der Nebel hatte sich bereits gehoben und die Webcam zeigte, dass Linz bereits komplett nebelfrei war. Zum Treffpunkt um 08:00 Uhr am Flugplatz sah man bereits, dass die verbliebene Nebeldecke im Alpenvorland nur noch sehr dünn war und wir begannen das Flugzeug vorzubereiten. Während der Vorbereitungen checkten wir immer wieder die diversen Webcams, um den idealen Abflugzeitpunkt nicht zu verpassen.

Kurz vor 11:00 Uhr war es dann soweit. Nach einem kurzen Telefonat mit dem Lotsen von Linz Radar, dem wir unser Flugvorhaben mitteilten, starteten wir bei Windstille am Boden von Piste 15. Bereits nach wenigen Metern über Grund nahm der Wind schlagartig zu – wir bekamen die Leewirkung des Pfenningberges zu spüren und es schüttelte uns das erste Mal gehörig durch. Aufgrund des vorangegangen Telefonats und des Transponders war der Controller äußerst kooperativ und ließ uns auf kürzestem Weg direkt Richtung Süden durch die TMA Linz steigen. Die Windgeschwindigkeit nahm mit der Höhe immer weiter zu und somit konnten wir bereits zwischen Hofkirchen und Steyr nach 21 Minuten in ca. 2700m MSL den Motor abstellen und einfahren. Wie wir bereits im Vorfeld vermutet hatten, stiegen wir auch hier schon in die erste Welle ein.

Einstieg in die erste Welle über Steyr

Immer noch radargeführt von Linz Radar und unter Beobachtung meiner Arbeitskollegen von Steyr aus, stiegen wir weiter bis auf FL165.Aufgrund der Wetteroptik beschlossen wir weiter gegen den Wind Richtung Süden vorzufliegen. Die Freigabe dazu erhielten wir von einem weiteren, äußerst kooperativen Fluglotsen von Wien Info.

Nach dem Einstieg in die zweite Welle des Tages nördlich des Schobersteins

Nach einer gefühlten Ewigkeit im Sinken des absteigenden Leewellenasts, begann sich die Nadel des Variometers wieder langsam aber sicher nach oben zu bewegen, bis sie sich am Ende des Anzeigebereiches von 5m/s einpendelte. 

Die stärkste Welle des Tages – laminares Steigen mit 5m/s

Rasch ersuchte ich bei Wien Info um eine weitere Höhenfreigabe. Nach kurzem Warten bekamen wir die Freigabe bis FL220, was an diesem Tag etwas über 6500m entsprach – alle Puzzleteile hatten sich zusammen gefügt.

Nach einigen Kreisen zum Genießen und Fotografieren, flogen wir entlang der Rotorlinien Richtung Westen bis zum Traunsee, wo wir aufgrund der nahenden Kaltfront wendeten und mit der Rückenwindkomponente des 90km/h starken Südwestwinds Richtung Osten glitten. Der Rückenwind und die geringe Luftdichte in dieser Höhe ermöglichten uns eine Geschwindigkeit über Grund von über 200km/h bei einer angezeigten Geschwindigkeit von nur 90km/h.

Flug Richtung Osten entlang der Rotorbänder
Die sich schließende Welle am Heimweg im Sonnenuntergang

Aus dieser Höhe und mit dem immer noch starken Südwind werden Entfernungen kurz und wir erreichten Linz in 4000m MSL. Nach dem Abgleiten der Höhe über dem Mühlviertel, bekamen wir im Anflug auf Linz Ost den starken Bodenwind aus Richtung Ost erneut zu spüren. Wieder ist es das Lee des Pfenningberges, das uns durchschüttelt und uns zu einer Anfluggeschwindigkeit von 150km/h zwingt.

Nach über 5h Flug stiegen wir zwar etwas durchgefroren aber überglücklich aus dem Flieger und freuten uns, dass wir neben dem Zusammenfügen der 5 Puzzleteile auch das 6. noch fehlende Stück auf unserer Seite hatten – das notwendige bisschen Glück, dass alles so gekommen ist, wie vorhergesagt und geplant.

Flugbericht: Daniel Feilmeier

Hier der Flug zum Nachsehen: https://sis.streckenflug.at/index.php?inc=flug&id=56766

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2 thoughts on “Catching the Wave…”

  1. Sehr cooler Bericht 🙂
    Obwohl Daniel sehr anschaulich das Schema der Wellenströmung beschrieben hat, funktioniert das leider nicht immer so wie gedacht. Als ich das gleiche Vorhaben fünf Tage später mit Horst probieren wollte, verhakten sich die Puzzleteile etwas und ließen sich nicht zusammenfügen. Wir kamen nicht über 2500m MSL hinaus, mussten immer wieder auf der Südseite des Schobersteins im turbulenten Hangwind steigen, weil uns der Rotor nördlich des Sengsengebirges jedes Mal so grauslich abgeworfen hat, dass wir in unserer warmen Unterwäsche so richtig ins Schwitzen kamen:-)
    Paul

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