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Nach Polen im Segelflieger PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Harry Kopececk   
Dienstag, den 08. Juni 2010 um 23:41 Uhr

Das ewige hin und her gondeln in Gebieten, die wir schon sehr gut kennen reizt nicht mehr. Was Neues muss her, so dachten Walter Artner vom Flgplz Eferding und ich: Ein noch nie dagewesener Flug nach Norden über die Tschechei bis ins Riesengebirge nach Polen und über das Erzgebirge wieder retour über Deutschland nach Linz. Im Winter planten wir die Strecke in Form eines FAI Dreiecks von 800-1000km.

Uns war klar, dass wir dafür ein absolutes Hammerwertter brauchen, vor allem, da wir wenn wir die Strecke nicht vollenden können, in einem Gebiet landen, wo die Rückholung ziemlich lange ausfallen sollte. Eine Abkürzung ist nämlich aufgrund der riesigen Kontrollzonen bei Prag und Karlsbad nicht möglich. Das Hammerwetter stellte sich heuer leider noch nicht ein, deshalb entschlossen wir uns kurzfristig diesen Flug einfach auf 2 Etappen zu absolvieren.

Start war am Sa 5.6. in LOLO, ich mit der ASG 29 und Walter mit seinem CO-Piloten Mike im DuoDiscus. Die Thermikmeldung war mässig, aber für die ersten 500km sollte es reichen. Dies war auch so: wir folgen über den LOLO-Standardabflug Hellmonsödterwald über Freistadt bis St. Oswald. Von dort ging es sogleich über die Grenze und westlich von Gmünd nach Norden.

Der 1. Wendepunkt liegt ganz im Norden an der polnischen Grenze. Der direkte Weg ist aber widerum einmal mit TMA´s und CTR´s versperrt. Darum gab ein eine Draufgabe über eine östliche Route. Die vielen Beschränkungsgebiete sind am Wochenende kein Problem, jedoch ist es notwendig sich genau über die Aktivität dieser Gebiete zu informieren. Die Steigwerte lagen so zwischen 0,8 und 2 m/s -nicht berauschend, aber für einen super stressfreien Flug in Formation absolut ausreichend. Beeindruckend war für uns, wie wir ins Riesengebirge gekommen sind...eine tolle Landschaft.

Am Liebsten wäre ich noch weiter nach Norden...doch ich hatte nur 2 Tage Zeit...deshalb sagte mir die Vernunft: Nach links abbiegen und die geplante Strecke weiter. Der höchste Berg dort liegt sogar bei 1600m und die Landschaft lädt absolut zum verweilen ein. Musse ein tolles Wandergebiet sein und super geeignet für ein Vereins-Fliegerlager. Doch die Steigwerte ließen immer mehr zu wünschen übrig und ab der Stadt Liberc wurde es komplett blau und nicht nur dass: Fast keine Thermik mehr zu finden.

 

Ca 30km westlich von Liberec meinte Walter, dass umdrehen sollten und in Liberec Aeroporto unser Nachtquartier aufschlagen sollten. Da er keine Motor im Disus hatte, war ein Weiterflug einfach zu riskant. Weiter hatte er gemen eine F-Schlepp gesehen zu haben, so wäre der Weiterflug am Sonntag auch gesichert.

Falsch gedacht: Am Funk totale Stille, keine Antwort. Aufgrund unserer geringen Höhe und der Aussicht mitten am Hauptplatz dieser schönen Stadt eine tolles Bier zu geniessen entschlossen wir uns einfach zur Landung. Erst nach einiger Zeit konnten wir jemanden auftreiben, der aber weder Deusch noch Englisch sprechen konnte. Soviel konnte er uns aber verständlich machen, dass auf diesem Platz für Sonntag sicher kein F-Schlepp möglich sein wird...aufgrund des starken Regens ist die Piste zu weich...super Sache:

ca. 6 Autostunden von Linz entfernt auf einem 1000m langem Flugplatz und kein F-Schlepp. Über Handy-dolmetsch wurde uns jedoch eine kleine Chance für einen morgigen Schlepp eingeräumt. Die Fliegerfreunde dort waren wirklich sehr nett und zuvorkommend und verstauten unsere Flieger in einem gut gesicherten Hangar, der noch im 2. Weltkrieg gebaut wurde...Abendessen...1,2,3...Bier und Schlafen.

 

Am Morgen um 8.00 Uhr Treffen mit den Tschechen und es gab das O.k. für den Start, aber: Super tolle Warmluft und die Tschechen meinten immer wieder: no Thermik! Der Wetterbericht meldete jedoch im Gebiet um Dresden und Thüringen ganz gut und ich konnte es nicht glauben und war sehr zuversichtlich.

Als es um 12.00 Uhr immer noch keine thermischen Lebenszeichen gab, entschloss ich mich zu einem Test-Schlepp, vor allem da mir auch die Zeit davolief. Immerhin hatte ich noch mindesten 400km vor mir. Auklinken und nur Saufen- erst so ca. in mehr als 100km Entfernung Konvektion (westlich von Dresden) Kurzer Funk zu Walter: "I schmeiss den Motor und schau amoi..." und Walter: "I ruf meinen Rückerholer an und fahre auf der Strasse nach Hause" Dies war verständlich, da der Flugweg ca. 200km entlang der Grenze verlief und mit keinem dieser Km wir näher an Linz kamen, sogar noch weiter weg. Die Flugplätze wurden hier auch weniger und eine Rückholung würde bis Montag vm dauern....Mit ca. 14 Minuten Motorhilfe und geringen Steigwerten kämpfte ich in dieser sehr unbrauchbaren Luft ums Überleben und schaffte es aber doch dann bis ins Erzgebirge in die gute Luftmasse.

Die ging dann sogar sehr gut und meine Bedenken irgendwo im hintersten Tschechien-Eck ohne Sprit liegen zu bleiben verflogen relativ rasch. Der Schnitt schnellte rauf auf gut 150km/h bis in die Ebene von Cham, dort war wieder einmal alles zu Ende, keine Wolke zog mehr, Steigen war nicht zu finden und in gut 100m über Grund schmiss ich nochmals den Motor. Trotz Motor kam ich kaum ins Steigen und musste bis nördlich von Arnbruck sprudeln..."Wenn ich jetzt nicht einen Anschluss finde, dann lande ich in Arnbruck!" Doch mein Gebet kam an und ich fand wieder gutes Steigen, mehr noch: Nördlich des Arbers entstand dorch den Südwest (ca. 30km/h) eine super tolle Konvergenz, die mich mit über 4m/s auf beinahe 3000m katapultierte.

Dies war auch notwendig, da es ab dort wiederrum nur blau war und meiner Meinung die Steigwerte um ca. 17:30 Uhr nicht ausreichten, um es "normal" noch bis nach Linz zu schaffen. Die super Höhe und der Rückenwind verschafften mir bei einer Gleitzahl von gut 60 eine Sicherheitshöhe von über 500m bis nach Linz, wo ich kurz nach 18.00 Uhr auch landete. Ich war sehr froh war, es ohne Rückholung geschafft zu haben.

Walter und Mike kamen um 02.00 Uhr auch mit dem Auto retour. Fazit: Gut 900km mit 5 Liter Sprit, Walter meinte er hätte mindestens 10 Liter verbraucht (beim Warten mit den tschechischen Fliegerfreunden im Clubstüberl....) Ein toller Flug, ein super Erlebnis. Meines Erachtens hat dieser Flug eine Möglichkeiten für LOLO und Eferding geschaffen, in dem die Tschechei nun für uns fliegbar ist.

Harry Kopececk- SX

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 21. Juli 2010 um 07:41 Uhr
 
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